"Der Kern des Glücks:
Der sein zu wollen, der Du bist."
(Erasmus von Rotterdam)
Hier möchte ich mich dem Thema Hochsensibilität widmen. Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, zum einen, da ich selbst zu der rund 20 %igen Minderheit der Menschen mit dieser ausgeprägten Empfindsamkeit gehöre, zum anderen, weil es mir wichtig ist, mehr Menschen für dieses Thema zu "sensibilisieren". Damit sowohl die Menschen mit dieser Veranlagung sich selbst besser verstehen lernen, als auch die Menschen, die nicht über diese besondere Empfindsamkeit verfügen, sich bei Interesse mehr über dieses Thema informieren können.
Hochsensible Menschen haben Wahrnehmungen, Bedürfnisse, Begabungen aber auch Schwächen, die sie vom Großteil der Bevölkerung unterscheiden.
Hochsensibilität, übrigens auch bekannt als Hochsensitivität, ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das durch eine überdurchschnittliche Empfindsamkeit für Reize gekennzeichnet ist. Hochsensible Menschen nehmen ihre Umwelt intensiver wahr und verarbeiten Informationen tiefer, wodurch sie auch subtile Nuancen bemerken, Stimmungen anderer intuitiv erfassen und stärker von Reizen wie Geräuschen, Gerüchen und Eindrücken aller Art beeinflusst werden. Sie verfügen über eine hohe Empathie, emotionale Sensibiliät und Intensität, sie können sich nicht nur gut in andere Menschen hineinversetzen, sie nehmen oft die Emotionen andererer wie die eigenen wahr. Auch die Vorstellungskraft und Kreativität ist bei hochsensiblen Menschen stark ausgeprägt.
Aufgrund der sehr intensiven Reizwahrnehmung und -verarbeitung fühlen wir hochsensiblen Menschen uns jedoch auch schnell überfordert und gestresst, wir benötigen oft Ruhe und Rückzugsorte, um uns zu erholen und die aufgenommenen Reize zu verarbeiten.
Hochsensible Menschen nehmen dabei nicht nur über die Sinne Informationen auf. Ihr gesamtes Innenleben wird von Ihnen als viel reichhaltiger und differenzierter erlebt. Die endlosen Nuancen der eigenen Stimmungen bedeutet für manche HSP nicht nur eine stetige Quelle der Stimulation, sondern auch ein weites und faszinierendes Feld für Forschung und Spiel. So ist beispielsweise vielen Hochsensiblen der Einfluss von Filmmusik auf die Stimmungslage bewusst und manchmal Hauptgrund für sie, sich bestimmten Filmen auszusetzen und zu verfolgen wie die Handlung und speziell die Musik die verschiedensten Register im Stimmungsapparat zieht, bzw. andere Filme zu meiden. Für hochsensible Menschen ist es auch oft nicht ungewöhnlich, bestimmte Farben, Klänge oder Zahlen mit gewissen Stimmungen verknüpft zu erleben. Am stärksten können wir das bei hochsensiblen Kindern beobachten.
Weiterhin zeichnen sich hochsensible Menschen durch eine vielschichtige Gedankenwelt aus. Wenn sie es duch Befragung oder Selbstbefragung trainieren, können viele von ihnen mehrere parallele Gedankenfäden wahrnehmen, oder verschiedene Ebenen von Motivationen fur ein und dieselbe Handlung erkennen. Innere Dialoge laufen zumeist bewusst ab, oft nicht nur als Zwiegespräch, sondern als innere Konferenz verschiedenster Anteile der Persönlichkeit. Wenn sie ihre Aufmerksamkeit darauf richten, können sie unter Umständen sogar die einzelnen Stimmen bzw. die dazugehörigen Persönlichkeitsanteile anhand unterschiedlicher Qualitäten wiedererkennen.
Deshalb ist es für hochsensible Menschen wichtig, sich selbst gut zu verstehen, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu lernen, gut mit sich umzugehen, aber auch eine gute Ballance von innen und außen herzustellen. Denn wer ein so reiches Innenleben hat, benötigt natürlich Zeit, sich damit zu befassen, wer ein durchlässiges Nervensystem hat, bemötigt Werkzeuge, wie er sich selbst gut reguliert und wer dünne Filter hat, von außen viel reinbekommt, benötigt einen guten Umgang mit dem außen. Und zuallererst kommt immer die Bewusstheit über das, was als hochsensibler Mensch meine Ausprägung ist und wie ich damit in der Welt stehe.
Ich selbst als hochsensibler Mensch bin in meinem Leben mit dieser Ausprägung, mit diesen so viel dünneren Filtern, der dünneren Haut, oft an meine Grenzen gekommen und habe mit dieser Gabe oft gehadert. Bei mir selbst ist die Hochsensibilität in Richtung Hochempathie ausgeprägt. So war es lange schwierig, in Beziehung, unter vielen Menschen, mich so abzuschirmen, dass nicht sämtliche Stimmungen, Gefühle und sonstiges aus dem Raum des oder der anderen über mich hereinbricht. In meiner Arbeit und im gewünschten Kontakt sind diese Fähigkeiten aber ein gutes Werkzeug und hilfreich auch für den anderen, so kann ich ihm doch vieles spiegeln, was er vielleicht selbst von sich nicht mitbekommt oder für ein hilfreiches, empathisches Gespräch nutzen. Dabe finde ich aber immer wichtig, dass der andere das auch möchte. Das soll heißen, es braucht eine gesunde Abgrenzung von Du und ich, wo bin ich bei mir und wo bin ich bei Dir und ist Dir das überhaupt recht.
Erst vor kurzem hatte ich ein aufschlussreiches Gespräch über das Thema Hochsensibilät in einem Coaching, das mich noch einmal für die andere Seite der Medaille sensibilisiert hat. Denn für uns Hochsensible ist es essentiell wichtig, zu lernen, bei uns und in unserem Raum zu bleiben, denn alles andere ist nicht nur für uns anstrengend und überfordernd, sondern auch für den anderen schon ein ganzes Stück übergriffig. Denn wenn ich nicht darum gebeten werde, dem anderen empathisch zu begegnen und ich "spüre in seinem Raum herum", ist dies ein Übergriff, den ich selbst von einem anderen auch nicht ungefragt dulden würde.
Deshalb, wir Hochsensiblen haben oft, insbesondere im energetischen und emotionalen Bereich eine große Durchlässigkeit, aber auch oft gelernte Muster von "ich gehe mit meinem Gespür zum anderen" oder "ich darf nicht bei mir sein", das fängt beim Körperempfinden an, geht über die Emotionen und hört beim Verschmelzen der Energiekörper auf, und dann hat man etwas, was keiner gern will und was meines Erachtens dann auch nicht mehr gesund ist, nämlich das Fehlen von Ich und Du.
Ich arbeite daher bei meinen hochsensiblen Klienten immer auch heraus, worum es sich hier handelt, was von anderen und von der Welt um sie herum wahrgenommen wird und ob es sich dabei um ein Muster "des nicht bei sich seins" handelt, was möglicherweise, auch in der Biographie dahintersteckt und wie eine gesunde Ballance gefunden werden kann. Dabei geht es vor allem erst einmal darum, gut bei sich selbst, in seinem Körper, bei den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Gedanken anzukommen, denn nur wer bei sich ist, kann die Kraft der Hochsensibilität wirklich für sich nutzen und empfindet diese dann nicht mehr als Last, sondern findet ein neues, bewussteres Selbstverständnis in dem eigenen So Sein und darf die Gabe dahinter erkennen.
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